Sieben Jahrzehnte Malerei
Bernd Rosenheims malerisches Werk lässt sich nicht als Abfolge von Stilphasen lesen. Abstraktion und Figuration stehen darin nicht gegeneinander, sondern durchdringen sich: Schon in den frühesten Arbeiten trägt jede abstrakte Geste eine figurative Anlage, und jede Figur behält eine Offenheit, die dem abstrakten Denken entstammt.
Am Anfang steht der Mensch. In den Porträts und Genreszenen der 1950er Jahre erprobt der junge Maler Einflüsse von der Neuen Sachlichkeit bis zu Picasso, und die Reisebilder aus Italien und Griechenland zeigen, wie sich der Blick von der Beschreibung zur Farbe verschiebt. 1958 entsteht mit Aufwärts-Abwärts das erste vollständig ungegenständliche Gemälde.
Es folgen die Jahre der Abstraktion: die Fließbilder, in denen die verdünnte Farbe den physikalischen Gesetzen folgt und den Bildraum selbst erschafft; die Strukturbilder mit ihrem diagonalen Liniengeflecht; die Meditations- und Vibrationsbilder, die nach einer schweren Erkrankung entstanden und aus tiefster Dunkelheit schrittweise zum Licht führen.
Die Malerei bleibt dabei nie für sich. Sie tritt in den Raum, wird zum Relief, zur Skulptur, zum Spiegelobjekt, und nimmt aus diesen Gattungen wieder auf, was sie dort gefunden hat.
Mit den 1990er Jahren kehrt die Figur zurück, doch nicht als Rückgriff: Rosenheim lässt sie aus der Gegenstandslosigkeit entstehen und nennt das Refiguration. Aus Farbströmen formen sich gerüstete Köpfe wie im Nashorngott und im Zeus, später ganze Figuren, deren Gesichter der Maler wieder freigibt. Die Musik tritt als Anlass hinzu, in The Unanswered Question und Masques et Bergamasques.
Über alle Phasen hinweg bleibt der Mensch die ikonografische Konstante, meist als Kopf, oft gerüstet, selten als psychologisches Porträt und fast immer als Zeichen.


























































